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Kein Literarischer Freitag

  • 9. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Vor genau neun Monaten begann ich damit, wöchentlich einen Text auf der EISERNEN ROSE zu veröffentlichen. Der „Literarische Freitag“ war für mich eine Möglichkeit, in Kontakt mit denen zu treten, die sich für meine Perspektiven und Narrative interessieren; weitaus bedeutender für mich war aber die Verantwortung, welche dahintersteckte. Ich war dazu gezwungen, jede Woche mindestens ein Gedicht zu veröffentlichen, mich also aktiv mit der (vorläufigen) Fertigstellung zu beschäftigen und ein Produkt abzuliefern. Das hat mir in den Monaten der Unsicherheit sehr geholfen. Ich konnte meine Gedanken, zumindest für kurze Zeit, von der Angst über meine Zukunft abwenden, wurde angespornt, trotz meiner Lossage eines Jobs produktiv zu bleiben und hatte ein kreatives Ventil. Der „Lit. Frei.“ hat mir jede Woche gezeigt, dass tatsächlich Interesse für meine Texte besteht, ein Gefühl, welches ich zu der Zeit meiner Buchveröffentlichung bitter notwendig hatte. Trotz all der Vorteile und Texte, die ich schrieb, möchte ich schweren Herzens verkünden, dass diese Woche kein weiterer „Literarischer Freitag“ erscheinen wird, und ich ihn auch auf absehbarer Zeit nicht fortführen werde.


Mein Leben hat sich gewandelt, ich befinde mich vor der metaphorischen Schwelle in einen neuen Abschnitt meines Lebens. Ich verlasse alles, was ich ein „zu Hause“ nennen konnte, strample erste Schritte in Richtung einer beruflichen Laufbahn und inmitten all dieser neuen Konflikte und Veränderungen, arbeite ich an meinem künstlerischen Portfolio – um es zu verkürzen: mir fehlt es an Ressourcen, all das zu tun, was ich momentan tun möchte. Es gab für mich von Anbeginn schwierige Texte, Gedichte, die ich zwar veröffentlicht habe und auf die ich stolz war, aber von denen ich spüren konnte, dass sie nicht immer meinen Anforderungen entsprachen. Mein Geschriebenes ist fast ausschließlich autobiographisch, ich habe jeden Text allein geschrieben, und da ich menschlich bin und mich damit brüste, nur zu schreiben, was ich auch wirklich fühle, fiel es mir oft nicht leicht, periodisch zu veröffentlichen. Das ein ums andere Mal habe ich alte Texte verwendet oder unfertiges umgearbeitet – ich wollte jede Woche ein Meisterwerk abliefern, aber so funktioniert Kunst nicht.


Die Erkenntnis, nicht meine Bestform zu präsentieren, machte mich traurig und ließ in mir den Entschluss reifen, mit dem „Literarischen Freitag“ aufzuhören … aber das muss kein Abschluss für immer sein. Ich möchte mich auf mein Studium konzentrieren, auf das Leben in einer Wohnung nur für mich, auf den völlig neuen Alltag. Ich möchte neues lernen, neue Menschen kennenlernen und besser im Schreiben werden. Ich möchte wieder ein Instrument spielen, eine Lesegemeinschaft oder einen Spieletreff gründen. Ich möchte mir unbekannte Straßen beschreiten, bis ich sie besser kenne als meine Heimatstadt, ich will mich entfernen von dem Leben, welches ich geführt habe, um zu erkennen, was es mich hat lieben und so leben lassen. Ich möchte wieder mehr schreiben (was die letzten Monate teils ziemlich kurz kam) und ich möchte mehr Zeit in umfangreicher Projekte investieren.


An alle, die bis hier her gelesen haben: ohne Euch wäre dieses Projekt bei weitem nicht so langwierig geworden und auch, wenn Ihr stille Betrachter, und in Menge nicht groß seid, bin ich Euch für jede Minute, die Ihr mit meinem Geschriebenen verbracht habt, sehr dankbar. Ich kann nicht sagen, wann ich genug Routine in meinem Leben gefunden habe, wann ich fest genug stehe, um wieder wöchentlich publizieren zu können, um das Gleichgewicht in Schwankungen wiederzufinden, aber bis es so weit ist, wird es viele Möglichkeiten für mich geben, Euch Einblicke zu geben.

 

Bis dahin


Aramis

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1 Kommentar


Gast
11. Okt. 2025

Manchmal sind es nicht die lauten Abschiede,

die am tiefsten treffen —

sondern die stillen, die zwischen den Zeilen geschehen.


Ich habe deine Worte gelesen,

still, aber nicht gleichgültig.

Wie jemand, der im Regen steht

und einfach da ist.


Schade, dass manches unausgesprochen blieb.

Schade, dass Gedanken zu kurz waren,

wo das Herz noch Platz gehabt hätte.


Auch wenn wir wohl nie wieder zueinander finden,

bleibt das, was war,

eine Erinnerung, die leise trägt,

nicht laut, aber echt.


Nicht jede Geschichte muss ein Ende haben —

manche verweilen wie ein warmer Schatten,

der zeigt, dass da einmal Licht war.


Und auch wenn unsere Wege sich trennen,

wünsche ich ihm,

dass er seinen findet.

Dass Glück ihn sanft begleitet

und das…

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Das Loge der Eisernen Rose. Hell-beige
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